Trugenhofen

Trugenhofen- kleiner Ort mit großer Geschichte

Auch wenn Trugenhofen nicht zu den strukturstarken Gemeinden im Kreis Neuburg-Schrobenhausen gehört, so können sich Ortsbild, Landschaften und Historie zweifelsohne sehen lassen. Kaum ein Ort im Landkreis findet sich so maßgerecht eingebettet zwischen Juraausläufern, im schmalen Talgrund der Ussel. Diese schöne Situation eröffnet sich besonders dem Besucher, der die Jurastraßen herunter von Norden, Westen oder Süden her anfährt.

Der Baubedarf in Trugenhofen hält sich in Grenzen, der Ort ist von der Zersiedelung weitgehend verschont geblieben. Wer nicht in der Landwirtschaft arbeitet, pendelt zur Arbeit nach Neuburg und Eichstätt. Zwei Vereine reichen im Dorfleben aus: die Freiwillige Feuerwehr, 1904 gegründet, und der Schützenverein "Usseltaler" Trugenhofen, 1922 gegründet.

Kleiner Ort, große Geschichte - zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird Trugenhofen in einer Schenkungsurkunde vom 12. Dezember 955 von König Otto an den damaligen Eichstätter Bischof.

Durch seine Aufwertung zur Hofmark stieg das Image von Trugenhofen . Stattliche sechs Jahrhunderte lang wählten Ritter und Lehnsherren den Ort zu ihrem Stammsitz. Die von den Grafen von Lechsgmünd-Graisbach eingesetzten ersten "edlen und vesten Ritter von und zu Truegenhouen" bauten ein Schloss in Trugenhofen. Möglicherweise stand diese erste Stammburg auf der beherrschenden Anhöhe des Dunzberges. Ihr zweites Schloss verlegten die Herren spätestens 1282 ins Tal an den Fluss, vermutlich wurde es zusammen mit der Kirche erbaut. Die hohe Ringmauer der dreistöckigen Burg umgab ein Wassergraben. Richtung Ussel konnte eine Zugbrücke hochgezogen werden. Im 30 jährigen Krieg wurde die Burg 1632 von den Schweden vor der Schlacht bei Rain am Lech dem Erdboden gleich gemacht.

Knapp 40 Jahre später errichteten Franz Heinrich von Berling und seine Stiefmutter ein neues Schloss. Diesen dritten Bau- wuchtige Mauern, Kellergewölbe und doppelte Speicher - kaufte 1816 Braupächter Ignatz Schmid samt Nebengebäuden für 4000 Gulden von Gräfin Eugenie du Moulin Eckart.  Ein Großbrand im Juli 1980 zerstörte dieses zusammen mit der Kirche wichtigste Baudenkmal von Trugenhofen.

400 Jahre lang hatten die Lehnsherren von Trugenhofen hier das Sagen. Von Ernst von Trugenhofen (1190) bis zu Ruland II. (1593) weist die Ahnenreihe des Trugenhofener Geschlechts 14 Familienoberhäupter auf. Sie waren hier zu Hause und beeinflussten die Entwicklung ihrer Ortschaft. Der Besitz war, wie damals üblich, nur geliehen von Graisbach bzw. später vom Fürstentum Pfalz-Neuburg. Am 24. Dezember 1593 beerdigte die Gemeinde Ruland II als letzten Herren der uralten Familie von Trugenhofen. Mit Rulands Tod ging die Kontinuität dahin. Das Lehen Trugenhofen fiel an den Neuburger Herzog zurück. Von nun an ging der Besitz durch wechselnde Hände.

Vom 11. bis 30. Oktober 1854 wütete die Cholera in Kienberg so stark wie an keinem anderen Ort in Bayern. In kurzer Zeit starben 25 von 80 Bewohnern, bis zu vier an einem Tag. Trugenhofen hatte Glück, hier erkrankte niemand an Cholera.

1910 flutete Hochwasser das Tal, 1911 folgten Dürre und Futternot, 1921 raffte Maul- und Klauenseuche den Viehbestand dahin. Im strengen Winter 1828/29 erstarrte das Land unter Frost, im gleichen Jahr, am 4. Juli 1929 zerschlug eine Jahrhunderthagel die Ernte.

Hochwasser der kaum verbauten Ussel kommen auch heute noch blitzschnell und lassen oft erhebliche Schäden zurück. Die Flut vom Juni 1965 könnte ein Rekordhochwasser gewesen sein, im Ussel- wie im Donautal. Im April 1994 standen Straßen, Gärten und Friedhof in Trugenhofen ähnlich unter Wasser, die braune Flut gelangte erneuet in die Kirche.

Trugenhofen galt stets als traditionsreiche Pfarrei mit einem eigenen Geistlichen. 1792 waren es gleich deren zwei. Der Bruder des Hofmarksherren war Pfarrer in Trugenhofen und Prediger in St. Peter Neuburg und holt sich deswegen einen Vikar nach Trugenhofen. Von 1543 bis zur Wiedereinführung der katholischen Landesreligion wirkten vier protestantische Pfarrer in Trugenhofen. Danach kamen bis 1859 nacheinander 25 katholische Pfarrer in den Ort.

Über eine eigene Schule verfügte Trugenhofen spätestens ab 1597. Das älteste Schulhaus (Nr. 34 1/2) stand bescheiden am Berghang und erfüllte seinen Zwecke von 1680 bis 1848. Das so genannte alte Schulhaus, ein zweigeschossiger Bau, steht unmittelbar daneben. Als die Schülerzahl gegen 1910 auf die Höchstzahl 64 stieg, baute Trugenhofen 1913 für 35000 Mark wieder eine neues Schulhaus im Garten von Anton Hüttenhofer. In Trugenhofen finden sich noch alle drei Schulhäuser. Die idyllischen Zeiten der Volksschule endete im Juli 1970. Das Schulhaus wurde nicht mehr gebraucht, die Kinder aus Trugenhofen- und Kienberg mussten in die neue Verbandsschule nach Rennertshofen zum Unterricht.

Vor der Industrialisierung nährte neben dem Bauernstand insbesondere das Handwerk seinen Mann. Trugenhofen bot ein ganzes Spektrum an Berufen, vor 1600 bereits Nadler, Schmied und Kästler. 1709 sollen im Ort gleich drei Branntweinbrenner produziert haben. Noch vor 135 Jahren arbeiteten in Trugenhofen drei Müller, drei Weber, zwei Binder, zwei Schumacher, fünf Maurer und je eine Krämer, Waffen- und Hufschmied, Holzhauer, Metzger, Brauer, Schreiner, Lumpensammler, Zimmermann, Schneider und zwei Wirte.

Die Brauerei war seinerzeit so produktiv, dass der Neuburger Pfalzgraf den Hofmarksbesitzer Thomas von Quentell das Braurecht von Rennertshofen nach Trugenhofen verlegen ließ. Der Trugenhofener Bräu mit eigener Gaststätte lagerte bis 1945 sein Bier oft eingehüllt mit Ussel-Eis im kühlen Felsenkeller am Fuß des Plattenberges. Die alten Linden dort könnten einiges erzählen aus dieser Zeit.

Seit dem 16. Jahrhundert drehen sich Mühlräder in der Ussel. Zu Trugenhofen - gehörte die Untere Mühle am östlichen Ortsrand und die Obere Mühle. 1921 ersetzte Eigentümer Johann Hüttenhofer das Mühlrad der Untermühle durch eine Turbinenanlage, die bis 1945 lief. Heute ist die Anlage längst verfallen. Aus der Störzelmühle zwischen Trugenhofen und Gansheim machte der Papiermachergeselle Gabriel Wider 1798 eine Papiermühle.

Im Steinbruch nebenan förderte der spätere Besitzer Schaumburg hochwertige Lithographiesteine. Einige Lieferungen gingen bis nach England, außerdem soll an Ort und Stelle eine kleine Druckerei entstanden sein.

Als Besonderheit galt die Schafwäsche in Trugenhofen. Die Schafwäscher standen in Holzbottichen in der Ussel, das aufgestaute Wasser schoss aus Rinnen auf die Schafe, um Schmutz und Sand aus der Wolle zu entfernen. Nach der Wäsche zogen die Schäfer mit ihren weißen Herden heimwärts, während der Flurer an der Gemeindegrenze schon wieder die neuen empfing. Die Stadel reichte oft zur Unterbringung nicht aus und beim Wirt herrschte Hochbetrieb. In der Hauptsaison schafften die Wäscher 15000 Schafe in drei Wochen. Dieser Erwerbszweig hatte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts begonnen und endete in den 50er Jahren dieses Jahrhunderts.

Von Kriegszerstörungen bleiben Trugenhofen und Kienberg verschont. Am 25. April 1945 rückten amerikanische Truppen mit Panzern und Amphibienfahrzeugen an und nahmen das Dorf problemlos ein.

In den 50er Jahren zogen Motocross-Rennen auf dem Dunzberg tausende Zuschauer an - im heutigen Landschaftsschutzgebiet kaum mehr denkbar.

Im Juli 1978 ging die politische Selbständigkeit verloren und Trugenhofen wurde einer der 15 Ortsteile der neuen Einheitsgemeinde Rennertshofen. Nichts geändert hat sich die Gebietsreform an der dörflichen Identität. Die ist nach wie vor, nicht zuletzt angesichts der weit zurückreichenden Geschichte Trugenhofens, stark und selbstbewusst ausgeprägt.